LA-Med Facharzt-Studie
Fachzeitschrift, Kongress, KI: So informieren sich Fachärzte
Die 20. LA-Med Facharzt-Studie zeichnet insgesamt das Bild einer pluralen Informationslandschaft: Fachärztinnen und Fachärzte greifen weiterhin in hohem Maß auf medizinische Fachzeitschriften zurück, kombinieren diese aber mit zahlreichen weiteren Quellen. Gleichzeitig gewinnt Künstliche Intelligenz als Instrument für die berufliche Informationsbeschaffung an Bedeutung. Die Arbeitsgemeinschaft LA-MED Kommunikationsforschung im Gesundheitswesen e.V. mit Sitz in Fahrdorf hat die neue Studie am 19. August 2026 veröffentlicht.
Für die aktuelle Untersuchung hat das Institut IFAK Markt- und Sozialforschung die Angaben von 2.566 Fachärztinnen und Fachärzten ausgewertet. Insgesamt wurden die Reichweiten- und Nutzungsdaten von 76 medizinischen Fachzeitschriften aus 13 Verlagen erhoben.
Neben Leistungsdaten für die Titelauswahl finden sich Insights über das Mediennutzungs-, Informations- und Fortbildungsverhalten der Spezialisten in Klinik und Praxis. Eine Neuerung der Studie ist die erstmalige repräsentative Erfassung der Nutzung von KI-Anfragen im medizinischen Kontext.
Fachzeitschriften erreichen weiterhin einen großen Teil der Zielgruppe
Im Mittelpunkt der Facharzt-Studie stehen medizinische Fachzeitschriften aus den Bereichen Dermatologie, Gynäkologie, HNO, Innere Medizin, Neurologie/Psychiatrie, Orthopädie/Unfallchirurgie, Pädiatrie und Urologie. Für die untersuchten Titel wurden neben dem klassischen Reichweitenwert 'Leser pro Ausgabe' (LpA) auch Kernleserwerte und die Leser-Blatt-Bindung ermittelt.
Von den 76 erhobenen Titeln waren vier Zeitschriften neu beziehungsweise nach einer Unterbrechung wieder Teil der Untersuchung. Gegenüber der Vorgängerstudie aus dem Jahr 2024 zeigen die Reichweiten bei den meisten Titeln einen leichten Rückgang. Dieser liegt nach Angaben der Studienverantwortlichen im niedrigen einstelligen Prozentbereich.
Die medizinische Fachzeitschrift bleibt demnach ein reichweitenstarker Informationskanal. Im Durchschnitt erreichen die untersuchten Fachtitel einen LpA von 47 Prozent. Die jeweils reichweitenstärksten Titel der einzelnen Fachgruppen kommen auf Werte von bis zu 83 Prozent.
Sören Winzer, Projektleiter und Geschäftsführer von IFAK, ordnet die Entwicklung als Teil eines länger beobachteten Trends ein. Leicht rückläufige Reichweiten seien auch aus anderen Medienmärkten bekannt. "Dabei sind die Reichweiten der medizinischen Fachtitel aber immer noch sehr hoch und es gibt keine Anzeichen, dass der Medienkanal Fachzeitschrift von den Ärzten durch andere Medien ersetzt wird. Vielmehr kombinieren die Fachärztinnen und Fachärzte die verschiedenen Informationsquellen und verlassen sich nicht nur auf eine Quelle", betont Winzer.
Fachärzte erweitern ihre Informationswege
Die Ergebnisse der Studie deuten wenig überraschend auf eine zunehmend crossmediale Mediennutzung hin: Die Fachzeitschrift bleibt Bestandteil des Informationsmixes, während digitale Angebote, persönliche Kontakte, Veranstaltungen und weitere Quellen ergänzend genutzt werden.
Bei den generell genutzten beruflichen Informationsquellen liegen medizinische Fachzeitschriften an erster Stelle (65,2%), gefolgt von Kollegengesprächen (61,3%) sowie Tagungen und Kongressen (49,6%). Auf den weiteren Plätzen folgen Fachbücher und Fach-Websites. Dabei hat sich das Verhältnis dieser beiden Quellen gegenüber der vorherigen Untersuchung verändert. Der Anteil der Fachbücher liegt 2026 bei 34,8 Prozent, während Fach-Websites auf 33,4 Prozent kommen. 2024 lagen die entsprechenden Werte noch bei 39,9 beziehungsweise 31,2 Prozent.
Touchpoint Relevanz-Check erhebt erstmals auch KI-Nutzung
Ein ähnliches Muster ergibt sich bei der Frage, wo Fachärztinnen und Fachärzte im Praxis- und Klinikalltag Informationen über neue Therapieoptionen suchen. Hier zeigt sich ein ähnliches Bild. Das Top-Trio wird angeführt von Kongressen und Kollegengesprächen, gefolgt von den deutschsprachigen Fachzeitschriften. Internet-Recherche via Suchmaschinen sowie in Online-Archiven folgen im Relevanz-Ranking der Informationsquellen.
Besonders relevant ist in diesem Zusammenhang ein neuer Bestandteil der Facharzt-Studie: Erstmals konnten die Befragten im Touchpoint-Relevanz-Check auch KI-Anfragen (via Google-Gemini, ChatGPT, Copilot etc.) als Informationsquelle angeben. Das Ergebnis: 46 Prozent der befragten Fachärzte stufen KI-Anfragen als relevante Informationsquelle bei Fragen zu neuen Therapien ein. Für 10,3 Prozent gehören KI-Anfragen bereits zu den drei bevorzugten Informationsquellen.
LA-Med-Vorstand Walter Bischof (Dpmedia) bezeichnet die Erfassung der KI-Nutzung als ersten Schritt, um mehr Transparenz über Anwendung und Akzeptanz von Künstlicher Intelligenz bei Fachärzten zu schaffen. Die LA-Med-Projektgruppe Digital arbeite bereits an einem weiteren Befragungsformat, mit dem zusätzliche Daten zur KI-Nutzung erhoben werden sollen.
Social Media wird vor allem zur Informationsbeschaffung genutzt
Auch die Nutzung sozialer Netzwerke und anderer Social-Media-Angebote wurde in der aktuellen Untersuchung erneut betrachtet. Erstmals wurde dabei zusätzlich erhoben, für welche Zwecke die verschiedenen Plattformen genutzt werden. Dabei zeigen sich Unterschiede zwischen den einzelnen Angeboten. Übergreifend steht jedoch die Informationsbeschaffung an erster Stelle. Es folgen Unterhaltung, Networking sowie Fort- und Weiterbildung.
Social Media nimmt damit innerhalb der beruflichen Mediennutzung mehrere Funktionen ein. Neben der Informationssuche spielen insbesondere der Austausch und die Weiterbildung eine Rolle. Die Studie trägt damit der Tatsache Rechnung, dass digitale Plattformen nicht ausschließlich als klassische Informationsmedien genutzt werden.
Fachzeitschriften stoßen konkrete Aktivitäten an
Die Untersuchung betrachtet nicht nur, welche Medien und Informationsquellen genutzt werden, sondern auch, welche Aktivitäten aus der Nutzung von Fachzeitschriften entstehen. Der sogenannte Aktivierungs-Check zeigt, dass die Lektüre medizinischer Fachzeitschriften bei einem großen Teil der Befragten mit konkreten weiteren Aktivitäten verbunden ist. Besonders häufig – von 87,8 Prozent der Befragten – wurde angegeben, dass die Lektüre von Fachzeitschriften zur Beschäftigung mit neuen Therapien angeregt hat. 80 Prozent nennen die Teilnahme an Fortbildungen, 67,1 Prozent die Teilnahme an Kongressen. Neue Angebote für Patienten (54,8%) sowie Präparate-Empfehlungen (53,2%) werden von den Fachärzten in Praxis und Klinik dabei ebenso genannt wie die weitere Mediennutzung (Web-Recherche 67,2%) wurden unter anderem ebenfalls genannt.
Eine ausführliche Analyse zu den Ergebnissen der LA-Med Facharzt-Studie 2026 und Einschätzungen von Verantwortlichen aus den Verlagen lesen Sie in der kommenden Ausgabe von Healthcare Marketing (Nr. 9/2026, ET: 16.09.2026). Hier geht es zur Bestellung.
Anna Jäger 19.08.2026









































