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Führungskräfte in der Gesundheitsbranche sehen eigenes Unternehmen als Digital Follower

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Der Digitalisierungsgrad in der Gesundheitswirtschaft ist aus Sicht von Führungskräften eher verhalten progressiv. Lediglich fünf Prozent dazu befragter Führungskräfte zählen ihr Unternehmen zu den Digital Leaders. Ein Viertel betrachtet seinen Arbeitgeber als Digital Transformer. Mit 41 Prozent machen Digital Followers den größten Anteil der Nennungen aus, gefolgt von 26 Prozent Digital Beginners und drei Prozent Non-Digitals.

Das ist ein Ergebnis des 'DIG-IN Healthcare Index 2019', den das Businessnetzwerk Healthcare Frauen e.V. in Zusammenarbeit mit dem IFAK Institut für Markt- und Sozialforschung gestartet hat. An der ersten Befragungsrunde der Studie nahmen im Mai 2019 insgesamt 110 Führungskräfte aus dem Gesundheitswesen teil. Zwei Drittel waren weiblich, knapp die Hälfte (48 %) gehörte dem Top-Management an. Die Studie soll über einen Zeitraum von fünf Jahren die digitale Transformation im Healthcare-Markt beleuchten. Der Fokus liegt auf den Aspekten digitale Unternehmenskultur, digitale Führung, digitale Kompetenzen der Mitarbeiter und digitaler Arbeitsplatz. Im August hatte Healthcare Frauen e.V. erste Ergebnisse mit Blick auf digitale Kompetenzen vorgestellt (siehe Bericht).

Wie der Digitale Führungsqualitäts-Index im Rahmen der Studie zeigt, ist auch der individuelle Reifegrad hinsichtlich Digitalisierung bei den befragten Führungskräften mit 39 Prozent erst mäßig ausgeprägt, berichten die Healthcare Frauen. Als größte Herausforderungen der Digitalisierung sähen die Befragten derzeit das Schritthalten mit der Entwicklung an, die Teilhabe der Mitarbeitenden sowie ein erfolgreiches Change-Management.

Dabei seien die durch Digitalisierung veränderten Anforderungen an Mitarbeitende vielfältig: Die Befragten wünschen sich von ihrem Team vor allem die Anwendung neuer Tools, die Bereitschaft zum lebenslangen Lernen und einen versierten Umgang mit der Komplexität.

Doch mit Blick auf aktuell erforderliche Führungskompetenzen und Kompetenzen von Mitarbeitern nennen die Befragten solche an vorderster Stelle, die bereits vor der Digitalisierung wichtig waren, so die Studie.

Dr. Sabine Huppertz-Helmhold, Vorstandsvorsitzende der Healthcare Frauen, sagt: "Die Notwendigkeit eines Wandels der Führungskompetenzen und der Kompetenzen Mitarbeitender wird derzeit von der ersten und zweiten Führungsebene in der Gesundheitswirtschaft noch als sehr gering eingeschätzt. Das spiegelten die Antworten auf die offene Frage nach Veränderungen in den kommenden Jahren wider."

Agilität für eine digitale Transformation noch kaum sichtbar

Die digitale Transformation liegt in der Gesundheitswirtschaft in den Händen des Top-Managements, doch nur knapp jedes zweite Unternehmen hat eine Gesamtstrategie dafür, beobachten die Healthcare Frauen weiter. Bislang seien kaum Strukturen zum Umsetzen geschaffen worden. Agiles Projektmanagement und crossdivisionale Teams seien kaum vertreten.

Emily Andreae, Projektleiterin DIG-IN im Verein Healthcare Frauen und Head of Business Development Health bei der IT-Beratung Adesso AG, äußert: "Agilität ist derzeit bei vielen in der Gesundheitswirtschaft eher noch ein Buzzword als gelebter Arbeitsalltag. Ähnlich sieht es beim Thema KI aus. Lediglich im Bereich der Business Intelligenz-Analysen und der Nutzung von Big Data haben wir schon deutliche Veränderungen bei unseren Kunden wahrgenommen."

Laut der Studie setzen fast 40 Prozent derer, die Business-Intelligence-Analysen durchführen, Big-Data-Verfahren ein. Künstliche Intelligenz (KI) kommt bei den Befragten kaum zum Einsatz. Mehr als die Hälfte der Befragten realisieren in ihren Unternehmen Multi-Channel-Interaktionen mit Kunden.

Die Bedeutung von Digital Business sei erkannt, doch es mangele noch an geeigneten Rahmenbedingungen zur Entwicklung digitaler Innovationen, zur Automatisierung von Routineprozessen und zur Definition messbarer Transformationsziele, resümiert Healthcare Frauen e.V.

Auch wenn die Unternehmenskultur in der Gesundheitswirtschaft derzeit noch von zentraler Führung geprägt sei, zeichne sich ein Wandel ab. Hohes Vertrauen, offene Kommunikation, flache Hierarchien und eine Kultur des Scheiterns bei Innovationen zeigten nach Angaben der Führungskräfte, dass die Unternehmen sich kulturell schrittweise anpassen. 55 Prozent der Befragten würden einen positiven Wandel der Unternehmenskultur in Richtung Effizienzsteigerung, Schnelligkeit sowie mobiler Arbeitsformen erwarten.

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April 2019: Healthcare Frauen starten Marktforschungsprojekt zu Digitalisierung im Gesundheitsmarkt


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(np) 07.10.2019


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