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'Barmer-Pflegereport 2019' sieht deutschen Pflegemarkt vor Umbruch

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Die Leistungsausgaben der sozialen Pflegeversicherung sind in 2018 auf 38,25 Milliarden Euro gestiegen. 2017 waren es 35,54 Milliarden Euro. Dabei lagen die Einnahmen der sozialen Pflegeversicherung in 2018 bei 37,72 Milliarden Euro und die Gesamt-Ausgaben bei 41,27 Milliarden Euro. Somit erhöhte sich das Defizit in der Pflegeversicherung auf 3,55 Milliarden Euro im Jahr 2018 – nach 2,42 Milliarden Euro im Jahr zuvor. Diese und weitere Daten fasst der 'Barmer-Pflegereport 2019' zusammen, den die gesetzliche Krankenversicherung Barmer mit Sitz in Berlin jetzt vorgestellt hat. Datengrundlage des Reports sind u.a. die Pflegestatistik, Kassenstatistik und Daten der Barmer. Autoren des Reports sind Heinz Rothgang und Rolf Müller von der Universität Bremen.

Die Ambulantisierung der Pflege ist laut den Analysen des Reports ein sich fortsetzender Trend.

Auf dem deutschen Pflegemarkt gibt es immer häufiger betreutes Wohnen und Wohngemeinschaften. Aktuell leben in diesen Einrichtungen 181.000 Pflegebedürftige, 150.000 davon in betreutem Wohnen, so berichtet die Barmer auf Basis des Reports. Diese Wohnformen seien in 2018, im Vergleich zum Pflegeheim, um knapp 400 Millionen Euro teurer gewesen. Dabei gebe es in diesen Wohnformen keinen gesicherten Nachweis der Pflegequalität.

Insgesamt beziffert die Pflegestatistik die Zahl der Pflegebedürftigen auf 3,41 Millionen Menschen im Jahr 2017. Davon erhielten 1,76 Millionen Personen Pflegegeld (51,7 Prozent). 830.000 Personen bezogen Pflegesachleistungen (24,3 Prozent). Gut 792.000 Betroffene wurden in Pflegeheimen versorgt (23,2 Prozent).

Abbildung: Ausgaben der Pflegeversicherung nach Wohnformen (Quelle: Barmer)

Prof. Dr. Christoph Straub, Vorstandsvorsitzender der Barmer, kommentiert: "Immer mehr Menschen entscheiden sich als Alternative zum Pflegeheim für betreutes Wohnen oder Pflege-Wohngemeinschaften. Diese Wohnformen sind für die Bewohner und Betreiber zwar finanziell attraktiv, unterliegen aber keinem Qualitätssicherungsverfahren wie die Heime. Daher müssen nun zeitnah Qualitätsmaßstäbe für neue Wohn- und Pflegeformen entwickelt werden."

Neue Pflege-Wohnformen kombinieren Leistungen

Die Entwicklung der neuen Wohn- und Pflegeformen trägt laut Report zur Ambulantisierung der Pflege bei. Die Ausgaben für die ambulante Pflege hätten sich in den Jahren 2000 bis 2018 fast verdreifacht, von acht Milliarden Euro auf 22,6 Milliarden Euro. Im gleichen Zeitraum 2000 bis 2018 seien die Leistungsausgaben in der stationären Pflege von 7,5 auf 14,3 Milliarden Euro gestiegen.

Die finanzielle Attraktivität der neuen Wohn- und Pflegeformen resultiert laut Studienautor Prof. Dr. Heinz Rothgang aus ihrer Konstruktion. Die neuen Shooting-Stars des Pflegemarktes kombinierten Elemente der ambulanten und stationären Pflege mit Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen, etwa der häuslichen Krankenpflege. Dabei könnten Leistungssummen zusammenkommen, die doppelt so hoch seien wie in der vollstationären Pflege. Das entlaste die Pflegebedürftigen und mache die neuen Wohn- und Pflegeformen auch für die Betreiber wirtschaftlich hoch interessant.

Hinsichtlich der Pflegequalität sieht der Report keine besseren Outcomes bei betreutem Wohnen und WGs, im Vergleich zu den Pflegeheimen. Indizien dafür seien zum Beispiel weniger Arztkontakte. Während 86,6 Prozent der Pflegeheimbewohner einmal im Monat ihren Hausarzt sähen, wäre dies in betreutem Wohnen und in Wohngemeinschaften bei rund 80 Prozent der Bewohner der Fall. Des Weiteren kämen monatlich durchschnittlich 3,6 Prozent der Bewohner des betreuten Wohnens wegen Erkrankungen ins Krankenhaus, die sich eigentlich ambulant sehr gut behandeln ließen. In Pflegeheimen träten 2,4 Prozent solcher Fälle je Monat auf.

Barmer-Vorstandsvorsitzender Straub sagt: "Wir fordern eine Harmonisierung der rechtlichen Rahmenbedingungen zwischen den Bundesländern und einen Pflege-TÜV für die neuen Wohn- und Pflegeformen."

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(np) 28.11.2019


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