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Ärzte haben kaum noch Skrupel bei der Annahme von Provisionen

%%%Ärzte haben kaum noch Skrupel bei der Annahme von Provisionen%%%

Ärzte haben kaum noch Unrechtsbewusstsein bei der Annahme von Provisionen und anderen Vorteilen, wenn es um das Überweisen eines Patienten an einen Arzt, eine Klinik oder einen anderen ärztlichen Leistungserbringer geht. Zu diesem Ergebnis kommt das Economy & Crime Research Center der Universität Halle-Wittenberg, die im Auftrag des Spitzenverbandes der Gesetzlichen Krankenkassen erstellt wurde. An der Meinungsumfrage haben 1.141 Ärzte, Kliniken, Rehaeinrichtungen, Pflegeheime und Nicht-Ärztliche Leistungserbringer teilgenommen.

Die Umfrage kommt zu folgenden Ergebnissen:

1. Jeder zehnte Niedergelassene, jeder fünfte verantwortliche Arzt in Kliniken, Pflege-, Reha- und Kurheimen sowie jeder sechste in der Gruppe der nicht-ärztlichen Leistungserbringer kennen die gesetzlichen Regeln nicht (§ 31 der Musterberufsordnung für Ärzte und § 128 II SGB V) oder sind nicht an ihnen interessiert. Diese Regeln verbieten, für die Zuweisung an andere Ärzte, Kliniken und nicht-ärztliche Leistungserbringer ein Entgelt entgegen zu nehmen oder einen anderen Vorteil zu fordern.

2. Zwar hält die große Mehrheit der Befragten eine Verknüpfung von Zuweisungen mit wirtschaftlichen Vorteilen für verboten, und es herrscht Konsens, dass die Nachteile solcher Vergünstigungen die Vorteile überwiegen. Dennoch glauben laut der Umfrage 14 Prozent der Ärzte, 24 Prozent der Kliniken, 46 Prozent der nicht-ärztlichen Leistungserbringer, es handle sich um eine gängige Praxis im Gesundheitswesen. Weitere 35 Prozent der befragten Ärzte stimmen dieser Meinung "teilweise zu".

3. Die nicht-ärztlichen Leistungserbringer und Kliniken (zu einem geringeren Anteil) gaben an, sie seien von Ärzten gedrängt worden, Vorteile zu gewähren. Drei Viertel der nicht-ärztlichen Leistungserbringer beziffern den erlittenen wirtschaftlichen Schaden auf durchschnittlich 14 Prozent des Jahresumsatzes.

4. Die "Kosten in Form von Entdeckungsrisiken" bewerten die meisten Ärzte als "relativ gering". In der Wahrnehmung der Befragten liegen die "Kosten für den Berufsstand und für das Gesundheitssystem in relativ weiter Entfernung". Deshalb holen nach eigenen Angaben nur 11 Prozent der Ärzte Rat bei der Ärztekammer ein, und lediglich 3 Prozent fragen bei der Clearingstelle nach.

5. 42 Prozent der Ärzte finden, sie werden kaum durch ihre Ärztekammer informiert, 16 Prozent fühlten sich durch sie sogar überhaupt nicht informiert. Ähnliches gilt für die kassenärztlichen Vereinigungen. Auch aus Sicht der Kliniken und anderen stationären Einrichtungen erscheint der Informationsfluss durch die Ärztekammer nicht besser, sondern eher schlechter. 40 Prozent antworteten, sie werden durch die Ärztekammer kaum und sogar 30 Prozent meinen, sie werden durch sie überhaupt nicht informiert. Bemerkenswert ist, dass dieses Thema offenbar auch zu selten von den Krankenhausgesellschaften aufgegriffen wird: 28 Prozent berichteten über keine und 37 Prozent nur über wenige Informationen.

Anke Martiny, Vorstandsmitglied von Transparency Deutschland, fordert daher mehr Transparenz in den Geschäftsbeziehungen der ärztlichen Leistungserbringer. Sie sagt: "Angesichts der Umfrageergebnisse fordern wir die Ärztekammern, Kassenärztlichen Vereinigungen und die Krankenhausgesellschaften dringend zu ernsthaften Anstrengungen auf, die ambulanten und stationären Leistungserbringer besser zu informieren und die Einhaltung der Berufsordnung anhand ihrer standesrechtlichen Befugnisse konsequent durchzusetzen".

Angesichts der immer noch nicht aufgearbeiteten Skandale um die sogenannten Fangprämien zwischen Ärzten und Krankenhäusern seien die Ergebnisse völlig inakzeptabel. Der wirtschaftliche Schaden und der Vertrauensverlust für die Versicherten und die Patienten seien enorm.


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(bs) 22.05.2012


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