Die Abnehmspritze ist seit Juli 2023 auf dem deutschen Markt zugelassen. Seitdem hat die Nachfrage nach Adipositas-Therapien stark zugenommen und zu wachsenden Umsätzen von Pharmaunternehmen geführt. Von dieser Entwicklung profitiert auch Go Lighter, eine Plattform für Adipositas-Therapien, des Münchner Telemedizinanbieters Wellster Health Group, das mit seinem digitalen Therapieangebot kürzlich nach Schweden expandiert ist.
Wie die Marktentwicklung für Abnehmspritzen in Deutschland eingeschätzt wird, an welchen Stellen noch Kommunikationsbedarf zur digitalen GLP-1-Behandlung besteht und wie stark die Nutzerzahlen von Go Lighter 2025 und im ersten Quartal 2026 gewachsen sind, verrät Martin Mangiapia, Vice President Communications der Wellster Healthtech Group, im Interview mit Healthcare Marketing. Der Manager spricht außerdem unter anderem über die Pläne mit Go Lighter und den anderen Portalen des Unternehmens in Deutschland.
Healthcare Marketing: Wie bewerten Sie die Marktentwicklung für Abnehmspritzen in Deutschland? Welche Erwartungen haben Sie mit Blick auf das weitere Jahr?
Martin Mangiapia: Wir sehen aktuell einen strukturellen Wandel in der Behandlung von Übergewicht. Das Thema entwickelt sich zunehmend von einer Lifestyle-Debatte hin zu einem medizinischen Versorgungsfeld. Das zeigt sich auch in den Daten: Rund 1,75 Millionen Google-Suchanfragen pro Jahr drehen sich in Deutschland inzwischen um Adipositas und medikamentöse Therapieoptionen wie GLP-1. Gleichzeitig bestehen erhebliche Versorgungslücken. In einigen Regionen kommt rechnerisch nur ein spezialisierter Arzt auf über 200.000 Menschen. Für viele Betroffene entscheidet daher der Wohnort über den Zugang zur Behandlung. Wir erwarten deshalb eine weitere Professionalisierung des Marktes: mehr medizinische Einordnung von Adipositas als chronische Erkrankung, mehr strukturierte Therapieprogramme und eine stärkere Rolle digitaler Versorgung, um regionale Lücken zumindest teilweise zu schließen.
HCM: An welchen Stellen sehen Sie noch Kommunikationsbedarf für Aufklärung und Information zur digitalen GLP-1-Behandlung?
Mangiapia: Der größte Kommunikationsbedarf liegt aus unserer Sicht in der richtigen medizinischen Einordnung der Therapie. GLP-1-Medikamente werden in der öffentlichen Debatte häufig verkürzt als Abnehmspritzen bezeichnet – ein Begriff, den viele Patient:innen auch selbst verwenden. Wichtig ist jedoch: Es handelt sich dabei um eine evidenzbasierte Therapie zur Behandlung einer chronischen Erkrankung, die immer in eine ärztlich begleitete Gesamtbehandlung eingebettet sein sollte. Dazu gehört ausdrücklich mehr als nur die Medikation. Ein zentraler Bestandteil der Therapie ist die nachhaltige Anpassung des Ernährungs- und Lebensstils. Digitale Programme können hier unterstützen, indem sie strukturierte Ernährungsberatung, Verhaltensänderungen und kontinuierliches Monitoring ermöglichen. Ein weiterer wichtiger Punkt ist das Verständnis für strukturierte digitale Behandlungspfade: Von der initialen Diagnostik über die ärztliche Entscheidung bis hin zur kontinuierlichen Betreuung und Therapieanpassung folgt die Behandlung klar definierten medizinischen Standards. Und schließlich braucht es realistische Erwartungen: Die Behandlung mit GLP-1 ist keine kurzfristige Lifestyle-Diät, sondern Teil eines langfristigen, medizinisch begleiteten Therapieansatzes. Nur im Zusammenspiel aus Medikation, Verhaltensänderung und ärztlicher Betreuung kann eine nachhaltige Wirkung erzielt werden.
HCM: Welches Fazit zieht Wellster Healthtech mit Blick auf die kürzlich beendete Winterkampagne?
Mangiapia: Unsere Winterkampagne hat bestätigt, wie stark das Informationsinteresse rund um medizinische Gewichtsbehandlung inzwischen ist. Viele Menschen beschäftigen sich erstmals ernsthaft mit Therapieoptionen und suchen nach verlässlicher Orientierung. Unser Fokus lag daher bewusst auf Aufklärung und Zugang zur Versorgung. Dabei haben wir neben Werbemaßnahmen im TV auch erstmals auf Print gesetzt, da es sich um ein Angebot handelt, das der richtigen Erklärung bedarf. Aus Unternehmenssicht sehen wir, dass digitale Gesundheitsangebote in diesem Bereich auf hohe Akzeptanz stoßen, wenn sie transparent und medizinisch fundiert kommuniziert werden.
HCM: Wie stark ist Go Lighter 2025 und im ersten Quartal 2026 gewachsen? Können Sie konkrete Zahlen nennen?
Mangiapia: Go Lighter hat sich 2025 sehr dynamisch entwickelt und seine Nutzerbasis deutlich ausgebaut. Besonders stark war die Nachfrage in der zweiten Jahreshälfte, parallel zum steigenden öffentlichen Interesse an GLP-1-Therapien. Auch im ersten Quartal 2026 setzt sich dieser Trend klar fort – sowohl bei der Zahl neuer Patienten als auch bei der Nutzung der digitalen Betreuung. Diese Entwicklung hat uns auch darin bestärkt, den nächsten strategischen Schritt zu gehen: Mit Go Lighter expandieren wir erstmals international und sind in diesem Jahr in den schwedischen Markt gestartet. Schweden ist für uns ein idealer Proof-of-Concept-Markt für digitale, ärztlich begleitete Adipositas-Therapien und bildet den Auftakt für eine breitere europäische Expansion.
HCM: Welche Gründe sehen Sie für das starke Wachstum von Go Lighter?
Mangiapia: Ein zentraler Faktor ist die hohe Therapie-Adhärenz und -akzeptanz in digitalen Programmen: Eine aktuelle Go-Lighter-Studie zeigte, dass 94 Prozent der Patientinnen und Patienten auch nach drei Monaten weiterhin an der Therapie teilnehmen und damit eine sehr hohe Bindung an das Behandlungsprogramm besteht. Digitale Modelle spielen hier ihre Stärke aus: Telemedizinische Ärztinnen und Ärzte stehen in regelmäßigem Austausch mit den Patienten, beantworten Fragen zeitnah und begleiten die Behandlung kontinuierlich. Diese enge Betreuung lässt sich im Alltag oft leichter integrieren und trägt dazu bei, dass Patienten die Therapie langfristig fortführen.
HCM: Welche Pläne hat Wellster Healthtech mit Go Lighter und den anderen Portalen in Deutschland?
Mangiapia: Das Ziel von Wellster ist es, die digitale Gesundheitsversorgung in Deutschland weiter auszubauen. Für Go Lighter bedeutet das insbesondere den Ausbau der ärztlichen Versorgungskapazitäten, eine stärkere Integration digitaler Betreuungstools sowie langfristige Therapieprogramme für Patienten.
Darüber hinaus denken wir zunehmend europäisch. Unsere Vision ist es langfristig, eine führende digitale Gesundheitsplattform Europas aufzubauen, die medizinische Versorgung, Technologie und patientenzentrierte Betreuung miteinander verbindet.
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