|
|
Apothekenmarkt
"Richtig eingesetzt, birgt KI erhebliches Potenzial"
Der deutsche Apothekenmarkt steht derzeit unter Druck. Nicht nur, dass der Online-Versandhandel mit verschreibungs- und apothekenpflichtigen Produkten Konkurrenz macht, auch medizinische Produkte in Drogeriemärkten lassen Umsätze der Offizin sinken. Hinzu kommt ein zunehmender Kostendruck infolge steigender Betriebskosten und Gehälter. All diese Entwicklungen haben kürzlich erst zu einem bundesweiten Streiktag der Apotheken in Deutschland geführt, mit dem sie ihrer Forderung nach einer Anpassung ihres Honorars Nachdruck verleihen wollten.
Für Entlastung könnte der verstärkte Einsatz von Künstlicher Intelligenz in den Apotheken sorgen. "Richtig eingesetzt, birgt KI auch für die Vor-Ort-Apotheke ein erhebliches Potenzial zur Effizienzsteigerung und Kostensenkung", erklärt Marcus Kroll, Geschäftsführer des Apotheken-Dienstleisters Apothekia in Köln. "Gleichzeitig ist klar: KI ersetzt weder die pharmazeutische Beratung noch die Verantwortung des Apothekers oder der Apothekerin – insbesondere, wenn es um Arzneimitteltherapie und Patientensicherheit geht." KI könne dort unterstützen, wo Kapazitäten knapp seien und Routinen anfallen würden. Kroll betont, dass die Systeme praxistauglich und rechtssicher sein müssten. "Allgemeine Sprachmodelle wie Chat GPT mögen auf der Patientenseite ihren Platz haben – in die professionelle Apothekenumgebung gehören zertifizierte Systeme, die Rechtssicherheit mitbringen und einen echten, nachweisbaren Mehrwert liefern. Nur so können sie sich mittelfristig durchsetzen."
Kroll verweist in diesem Zuge auf einen entscheidenden Faktor: das Personal. Er sagt: "Autodidaktischer KI-Einsatz mag in manchen Berufsfeldern funktionieren – in der Vor-Ort-Apotheke fehlt schlicht die Zeit dafür. Es braucht trainierte PTAs und Apotheker:innen, die KI-Systeme bedarfsgerecht einzusetzen wissen und gleichzeitig die Grenzen dieser Systeme kennen. Ohne zertifizierte Schulungen ist das nicht zu leisten." Trotz der besonderen Anforderungen wird KI bereits jetzt im Apothekenalltag verwendet. Kroll sagt: "Während die öffentliche Debatte noch um Chatbots und Roboterapotheken kreist, hält KI längst durch die Hintertür Einzug in die Offizin: in der Beratungssoftware, im Bestellwesen, im Marketing."
Beim Blick auf den Markt der Fortbildungen für Apothekenteams sieht Kroll einen Trend zu Personalisierung. "Komplexe, individualisierte und gleichzeitig niedrigschwellig konsumierbare Lernkonzepte werden weiter an Bedeutung gewinnen." Ebenfalls ein wichtiges Thema ist die Verfügbarkeit von Daten. "2026 werden nur noch wenige OTC-Kunden in digitale Fortbildungsprojekte investieren, die keine vollständige Messbarkeit gewährleisten können", erklärt Kroll und führt aus: "Anbieter, die nicht in der Lage sind, belastbare und relevante Daten mit ihren Kunden zu teilen, werden es zunehmend schwer haben. Budgetentscheidungen auf Industrieseite sind – nicht zuletzt durch den Einzug von KI in die Unternehmenssteuerung – mehr denn je datengetrieben. Für reines Bauchgefühl bleibt kein Raum mehr."
Die Zukunft der Vor-Ort-Apotheke und ihre Vernetzung mit der Industrie stehen auch auf den zweiten OTC-Synergies auf dem Programm, die am 16. April 2026 in Frankfurt stattfinden. Das Event, hinter dem die Apothekendienstleister Aponow, Apothekia, Apo Vid, Betterbyphone, IDV GmbH und Kyte-Tec stehen, versammelt erneut Entscheider aus der pharmazeutischen Industrie, dem Apothekenmarkt und spezialisierten Dienstleistern, um sich über Synergien im Apothekenmarkt auszutauschen.
Auf dem Programm stehen verschiedene Vorträge, etwa zum Thema "Vernetzung von Apotheke und Industrie". Darin sollen unter anderem Konzepte für eine starke regionale Gesundheitsversorgung diskutiert werden. Ebenfalls Thema ist die Weiterentwicklung von Apotheken und synergetisches Marketing zwischen Industrie und Apotheke. Durch den Veranstaltungstag führt Alex Mueller, Chefredakteur der Pharmazeutischen Zeitung.
Kostenlos versorgt Sie der Healthcare Marketing-Newsletter mit allen Neuigkeiten. Jetzt abonnieren - nie wieder etwas verpassen!
Marcel Kodura 07.04.2026







































