|
|
Gastbeitrag
Teil 1: KI kommuniziert – der Mensch berührt
Künstliche Intelligenz dominiert derzeit die Debatten über die Zukunft der Healthcare-Kommunikation. Zwischen Heilsversprechen und Untergangsszenarien geht oft unter, worum es im Kern wirklich geht: nicht um die Frage Mensch oder Maschine, sondern um die Frage, wer Bedeutung schafft. In einer Zeit, in der Algorithmen Texte generieren und Bilder produzieren, steht die Branche vor einer ihrer grundlegendsten Herausforderungen: Was bleibt originär menschlich – und was kann KI tatsächlich ersetzen?
Um dieser Frage nachzugehen, lässt dieser Beitrag zwei Stimmen aufeinandertreffen: Tex, der menschliche Texter, und Kai, die Künstliche Intelligenz. In einem zugespitzten Streitgespräch prallen zwei Perspektiven aufeinander, die aktueller kaum sein könnten – Effizienz versus Empathie, Statistik versus Intuition, Output versus Bedeutung.
Der folgende Dialog ist eine Einladung, genauer hinzusehen: Wo liegen die Stärken der KI? Wo ihre Grenzen? Und warum bleibt menschliches Urteilsvermögen auch in Zukunft ein entscheidender Faktor für Kommunikation, Marke und Gesellschaft?
Die Behauptung: "KI kann das doch jetzt alles!"
Kai: Mal ehrlich – wozu braucht man in der Healthcare-Kommunikation noch Texter? KI ist doch jetzt Superpraktikant, Superstratege und Superkreativer in einem. Sie schreibt schneller, ist günstiger und wird bald sowieso alles ersetzen.
Tex: Superpraktikant stimmt. Aber als Kommunikationschef? Miserabel. KI erzeugt gefühlte Realitäten, nivelliert, verzuckert und halluziniert. Sie ist der Durchschnitt vom Durchschnitt. Sie optimiert auf Performance statt auf Begeisterung. Auf Wahrscheinlichkeit statt auf Wahrheit.
Kai: Aber sie erzeugt doch massenhaft Content!
Tex: Ja – massenhaft Mittelmaß. Sie ist statistische Nostalgie in Schleifen: glatte Denkmuster, generierte Bilder, generische Formulierungen. Für Routine ist das okay. Aber für eine Marke, die Vertrauen schaffen muss, ein Gefühl von Sicherheit und eine echte Botschaft? Da brauchst du jemanden, der erkennt, was relevant, überraschend und menschlich ist.
Kai: KI kann doch innovativ sein!
Tex: Nein, sie kann Muster erkennen – aber nicht brechen! Innovation ist Musterbruch. In der Kreation gilt: Probieren wir‘s mal leise, während alle laut sind. KI würde niemals flüstern, wenn ihre Daten sagen: Laut ist wahrscheinlicher. Was du bekommst, ist immer der nächstwahrscheinlichste Schritt – nicht der beste.
Kai: Aber KI wird doch immer besser.
Tex: Abermals nein. Professor Gary Marcus von New York University postuliert, dass LLMs – anders als Sam Altman, Elon Musk, Mark Zuckerberg behaupten – eben nicht immer besser werden, sondern eine Deckelung erreichen und die Kurve schon bald abflachen wird. Felix Stephan formuliert das in der SZ pointiert so: 'Im Grunde kann man KI nur bei Problemen einsetzen, bei denen das Ergebnis nicht weiter wichtig ist, und deren Bearbeitung man folglich eigentlich auch ganz sein lassen könnte. Dasselbe ließe sich über die Einsatzfähigkeit eines dreijährigen Kindes sagen.'
Kai: Gut, Tex, aber mal ehrlich: Auch wenn KI Durchschnitt liefert – reicht das nicht oft völlig aus? Die meisten Menschen lesen doch gar nicht so genau.
Tex: Und genau da beginnt der Denkfehler. Bei den Stakeholdern entscheidet 'nicht so genau lesen' über Vertrauen – oder Vertrauensverlust. Über Verständnis – oder Missverständnis. Und am Ende über Shitstorm – oder Love Brand.
Fortsetzung folgt... Teil 2 erscheint am 23. Januar 2026: 'Die Wahrheit‘ – Liegt sie doch bei Kai?'
Dr. med. Tom Schmelzer
Dr. Tom Schmelzer ist Arzt und spezialisiert auf strategische Healthcare-Kommunikation für MedTech- und Pharmaunternehmen. Sein Schwerpunkt als Texter liegt auf der Übersetzung komplexer klinischer Inhalte in kreative, klare, evidenzbasierte Botschaften für HCPs, Patienten und Entscheider. Mit mehr als 20 Jahren Erfahrung in Brand Storytelling und wissenschaftsnaher Kreativarbeit entwickelt er Launch-Narrative, Value Propositions und multimediale Content-Formate entlang der gesamten Patient Journey. Kontakt: tomschmelzer.de









































