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Deutscher Ärztetag stimmt für Fernbehandlung

%%%Deutscher Ärztetag stimmt für Fernbehandlung%%%


Der Deutsche Ärztetag hat am Donnerstag über die Fernbehandlung abgestimmt. Dienstag begann die Versammlung unter Anwesenheit von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (l.) und Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer (Foto: Deutsches Ärzteblatt / J.Gebhardt)

Der Deutsche Ärztetag hat mit großer Mehrheit eine Neufassung der ärztlichen Berufsordnung beschlossen, um die Fernbehandlung zu erlauben. Die Neuregelung entspreche den Forderungen, einerseits die Behandlung und Beratung aus der Ferne zu ermöglichen und andererseits den persönlichen Arzt-Patienten-Kontakt weiterhin in den Vordergrund zu stellen, teilt die Bundesärztekammer (Berlin) mit. Dr. Josef Mischo, Vorstandsmitglied der Bundesärztekammer, habe vor dem Plenum in Erfurt argumentiert: "Wir wollen und müssen diesen Prozess gestalten und dieses Feld mit unserer ärztlichen Kompetenz besetzen." Digitale Techniken sollten die ärztliche Tätigkeit unterstützen. Sie dürften aber nicht die notwendige persönliche Zuwendung ersetzen. "Der persönliche Arzt-Patienten-Kontakt stellt weiterhin den Goldstandard ärztlichen Handelns dar", betonte Mischo.

Der geänderte Absatz der Berufsordnung lautet demnach: "Ärztinnen und Ärzte beraten und behandeln Patientinnen und Patienten im persönlichen Kontakt. Sie können dabei Kommunikationsmedien unterstützend einsetzen. Eine ausschließliche Beratung oder Behandlung über Kommunikationsmedien ist im Einzelfall erlaubt, wenn dies ärztlich vertretbar ist und die erforderliche ärztliche Sorgfalt insbesondere durch die Art und Weise der Befunderhebung, Beratung, Behandlung sowie Dokumentation gewahrt wird und die Patientin oder der Patient auch über die Besonderheiten der ausschließlichen Beratung und Behandlung über Kommunikationsmedien aufgeklärt wird."

Einige Einschränkungen der Fernbehandlung bleiben allerdings bestehen. Die Krankschreibung per Telefon oder Videokonferenz bei unbekannten Patienten lehnten die Delegierten ab, wie die 'Ärzte Zeitung' berichtet, ebenso Verordnungen ausschließlich im Rahmen von Fernbehandlung. Die beschlossene Lockerung müssten die Landesärztekammern nun ebenfalls noch übernehmen. Das könne ein bis zwei Jahre dauern.

Branchenakteure sehen Vorteile für Patienten und Ärzte

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn lobt den Beschluss des Deutschen Ärztetags. "Eine gute Entscheidung! Patienten werden unnötige Wege und Wartezeiten erspart. Und Ärzte können die digitale Welt aktiv gestalten anstatt dass es andere tun", schreibt Spahn in einer Twitter-Reaktion an die Bundesärztekammer.

Auch die Krankenkassen begrüßen den Schritt. So sagt Prof. Dr. Christoph Straub, Chef der gesetzlichen Krankenversicherung Barmer: "Der Deutsche Ärztetag hat mit seinem Votum zum Fernbehandlungsverbot erste wichtige Weichen gestellt. Das eröffnet große Chancen für eine weitere Säule der Versorgung." Mit der Fernbehandlung würden Ärzte und Patienten näher zusammenrücken. Das fördere die rasche Abklärung allgemeiner Beschwerden, aber vor allem die Betreuung immobiler Patienten. "Jetzt muss eine bundesweit einheitliche Regelung die derzeitigen regionalen Ansätze harmonisieren", fordert Straub.

Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen hatte bereits vor der Abstimmung für eine Lockerung Stellung bezogen. Johann-Magnus von Stackelberg, Vize-Vorstandschef des GKV-Spitzenverbands, sagte: "Videosprechstunden und Online-Konsultationen als Ergänzung des traditionellen Arzt-Patienten-Verhältnisses sind überfällig."

Ebenso hatte sich der Verbraucherzentrale Bundesverband dafür ausgesprochen, die Videosprechstunde generell zu ermöglichen. Klaus Müller, Vorstand des vzbv, sagte: "Es wäre nur zeitgemäß, wenn Patienten auch ohne persönlichen Erstkontakt einen Arzt in einer Videosprechstunde kontaktieren könnten." Der vzbv forderte darüber hinaus den Gesetzgeber auf, das Fernverordnungsverbot für Arzneimittel aufzuheben. "Die telemedizinische Versorgung darf kein Stückwerk bleiben. Es ist absurd, wenn Patienten ihren Arzt zwar per Videochat kontaktieren können, das Rezept dann aber in der Praxis abholen müssen", erläuterte Müller.

Digital-Verbände jubeln, Freie Ärzteschaft betont Rolle des Arztes

Die Hersteller von Gesundheits-IT-Lösungen bewerten die Lockerung des Fernbehandlungsverbotes erwartungsgemäß positiv. Aus dem Bundesverband Gesundheits-IT – bvitg heißt es, nun sei eine Hürde zur breiten Nutzung digitaler Anwendungen und der Telemedizin gefallen. Sebastian Zilch, Geschäftsführer des bvitg: "Die Lockerung des Fernbehandlungsverbots war längst überfällig. Damit telemedizinische Leistungen so schnell wie möglich integraler Bestandteil der Versorgung werden, gilt es nun finanzielle Anreize zur Nutzung zu schaffen. Ein Verbot zu lockern reicht alleine nicht aus, ist aber ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung."

Auch der Digitalverband Bitkom hat die Möglichkeiten der Digitalisierung im Visier. Achim Berg, Bitkom-Präsident: "Die heute auf dem Deutschen Ärztetag in Erfurt beschlossene Lockerung des Verbots der ausschließlichen Fernbehandlung ist nun ein richtiger Schritt zu mehr Gesundheit für alle. Jetzt müssen weitere Schritte gegangen werden: die Einführung des elektronischen Rezepts und die Abschaffung des Fernverschreibungsverbots."

Die Freie Ärzteschaft betont mit Blick auf Digitalanbieter allerdings, die Mediziner hätten keineswegs einen Freifahrtschein für jedwede Anbieter und Art der Fernbehandlung ausgestellt. Wieland Dietrich, Vorsitzender der Freien Ärzteschaft: "Fernbehandlung soll nicht die Kommerzialisierung des Gesundheitswesens durch kapitalorientierte Gesellschaften verstärken und beispielsweise in Callcentern stattfinden."

Auf Antrag der Freien Ärzteschaft habe der Deutsche Ärztetag deshalb Krankschreibungen im Rahmen ausschließlicher Fernbehandlung eine Absage erteilt. Die Ärzteschaft habe sich zudem sehr skeptisch gegenüber ärztlichen Verordnungen durch Fernbehandlung gezeigt. Diese Beschlüsse wendeten sich verstärkt gegen renditeorientierte Medizin und stellten klar, dass die persönliche Behandlung der Patienten durch regelmäßig praktisch tätige Ärzte die Qualität der Medizin sichere.


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(np) 11.05.2018


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